Biographie

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Biographie von Theodor Heuglin

Am 20. März 1824 wurde in Hirschlanden Theodor Heuglin geboren.
Sein Vater war von 1822 bis 1840 als Pfarrer hier tätig. Magister Ludwig Friedrich Heuglin stammte aus Ludwigsburg, dort war sein Vater als Amtsschreiber tätig. Seine Frau, Wilhelmine Friderike, geb. Hildebrand stammte aus dem Badischen. Sie heirateten am 15. Juni 1823. Kurze Zeit später zogen sie nach Hirschlanden. Aus der Ehe stammen sechs Kinder. Sie wohnten im Pfarrhaus aus dem 15. Jahrhundert, das kurz vor dem Amtsantritt von Pfarrer Heuglin gründlich renoviert worden war. Bei der Taufe des Jungen Theodor Martin haben sich 17 Taufpaten eingetragen. In der Mehrzahl waren dies angesehene Stuttgarter Hofbeamte.

Der Ort Hirschlanden hatte zu dieser Zeit etwa 350 Einwohner. Er zählte etwa 120 Gebäude, davon ca. 60 Wohngebäude. In der kleinen Ortsschule neben der Kirche wurde etwa 35 bis 40 Kinder vom Lehrer Johann Michael Koch ( 1823 – 1840 Lehrer in Hirschlanden) gemeinsam unterrichtet.

Der Ort lebte ausschließlich von der Landwirtschaft. Es gab keine Einnahmen aus Waldbesitz oder Weinbau. Deshalb war die Gemeinde nicht wohlhabend und auch die Besoldung des Pfarrers dürfte nicht üppig gewesen sein. Wenn trotzdem ein gebildeter Mann, wie Ludwig Friedrich Heuglin das Pfarramt in Hirschlanden antrat, dann lag das wohl zum einen am guten Ruf, den die Kirchengemeinde besaß, zum anderen aber auch im Überangebot an gut ausgebildeten Theologen in Württemberg. Pfarrer Heuglin vermied Besuche bei der nun auch in Hirschlanden auftretenden pietistischen Gemeinschaft. Die Mehrheit der Gemeindemitglieder unterstützte ihn darin.

Die Kinder aus dem Pfarrhaus fehlen in den Schülerlisten der Hirschlander Schule. Theodor wurde mit sechs Jahren auf die Lehranstalt für Knaben nach Stetten im Remstal geschickt. In den Jahren 1836 und 1837 wurde er vom Vater daheim unterrichtet und in Hirschlanden konfirmiert. Weitere Stationen seiner Ausbildung waren der Besuch des Gymnasiums in Stuttgart und schließlich mit 15 Jahren ein „Studium der Metallurgie“ bei der Wissenschaftlichen Bildungsanstalt der Gebrüder Paulus auf dem „Salon“ in Ludwigsburg.

In den Parkanlagen des Salonwaldes lernte der Junge Heuglin Pflanzen und Tiere kennen, bekam erste grundlegende Kenntnisse der Mineralogie und Geologie vermittelt. Weitere Fächer waren Zeichnen und Malen sowie linguistische Studien. Zu den Gästen der Bildungsanstalt gehörten aber auch Forschungsreisende, die über ihre durchaus abenteuerlichen Expeditionen nach Afrika berichteten.

Naturwissenschaftliche Studien im Geiste Goethes entsprachen ebenso dem gebildeten Zeitgeist, wie der Drang vieler junger Menschen nach der Entdeckung neuer Welten. Zusammen mit seinem Jugendfreund John William von Müller, dem Sohn eines in Südafrika reich gewordenen Schwaben, wurden Pläne für eine Afrikaexpedition geschmiedet. Doch da war zunächst der Vater strikt dagegen, der für seinen im Großen und Ganzen unbemittelten Sohn einen Brotberuf forderte. 1842/43 besuchte Heuglin das Polytechnikum in Stuttgart. 1845 arbeitete er als Praktikant bei den Württ. Eisenwerken in Königsbronn, 1846 als Assistent bei der Fürstl. Fürstenbergischen Amalienhütte an der oberen Donau.

Der kritische Vater hatte sein Amt in Hirschlanden im Jahre 1840 aufgegeben und war 1846 in Esslingen gestorben. Die Mutter unterstützte den Sohn bei seinen Bemühungen, den ungeliebten Bürojob zugunsten der gewünschten Forschertätigkeit aufzugeben.
Heuglin beendete trotz guter Angebote 1850 seine Laufbahn als Hüttenbeamter.
Ausschlaggebend war der Umstand, daß sein Jungendfreund J.W. von Müller tatsächlich eine Afrikaexpedition unternommen hatte und nun mit reichen Sammlungsbeständen nach Stuttgart zurückgekehrt war. Heuglin beteiligte intensiv sich an der Auswertung der mitgebrachten Präparate und Funde. Die Fähigkeit zu Zeichnen und ornithologische Grundkenntnisse hatte er sich noch in seiner Studienzeit bei Christian Ludwig Landbeck angeeignet, an dessen grundlegenden Verzeichnis der Vogelwelt Württembergs Heuglin mitgearbeitet hatte.

Heuglins Weg nach Afrika begann zu Ende des Jahres 1850 mit einer Reise nach Wien. Dort nahm er Beziehungen zur K. und K. Akademie der Wissenschaften auf und lernte wichtige Männer kennen, die Beziehungen zu ostafrikanischen Ländern unterhielten.
Heuglin fuhr schließlich als korrespondierendes Mitglied der Akademie nach Kairo, von wo aus er als Reisebegleiter erste Reisen entlang der Küste des Roten Meeres unternahm.

Er begriff schnell, daß ohne eine profunde Kenntnis der arabischen Sprache Forschungsreisen in Ostafrika keinen Erfolg haben können. Also erlernte er schnell und gründlich diese schwierige Sprache. In Kairo lernte Heuglin den Tierforscher Alfred Brehm kennen, mit dem er einen Ausflug auf die Halbinsel Sinai unternahm. Die Beziehung blieb eine Episode, wiewohl Brehm Heuglin später einen „alten Reisegefährten“ nannte.
Wichtiger waren freundschaftliche Beziehungen zum österreichischen Generalkonsul in Alexandria, der ihm Aufträge für wissenschaftliche Expeditionen im Auftrag der Akademie der Wissenschaften verschaffte. Man war offenbar so zufrieden mit seinen Leistungen, daß eine Anstellung beim österreichischen Konsulat in Chartum, der heutigen Hauptstadt des Sudan, möglich wurde. Damit hatte Heuglin eine ideale Ausgangsposition für weitergehende Expeditionen in die bislang kaum erforschten Länder Ostafrikas bezogen. Unter dem Schutz der österreichischen Krone bereiste Heuglin als Naturforscher mit Dr. Christian Reitz, dem österr. Consul von Chartum, Teile Abessiniens, des heutigen Äthiopien. Die Motive für eine solche kostspielige Expedition waren vielfältig. Reitz ging es darum, handelspolitische Beziehungen auszubauen. Heuglin sollte geografische und zoologische Forschungen anstellen.
Reitz und Heuglin erkrankten an einer schweren Darmentzündung. Reitz verstarb an den Folgen dieser Krankheit und Heuglin übernahm dessen Stelle als österreichischer Consul.

Unter dem Titel „Tagebuch einer Reise von Chartum nach Abbyssinien, mit besonderer Rücksicht auf Zoologie und Geographie in den Jahren 1852-1853“ erschien 1857 ein Buch über die erste große Expedition. Ergänzt wurde die wissenschaftliche Ausbeute dieser Reise durch Abhandlungen über afrikanische Säugetiere, Fische und Vögel, die in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften in Wien erschienen. Großen Anklang fanden auch die zahlreichen Tiere, die Heuglin teils lebend teils als Präparate für den Zoologischen Garten Schönbrunn in Wien und für das Naturaliencabinett (Naturkundemuseum) in Stuttgart mitbrachte.
Heuglin galt von nun an als ein geachteter und populärer Wissenschaftler. Neben vielen akademischen Auszeichnungen und Orden zeichnete ihn der König von Württemberg mit dem Kronen-Orden 1. Classe aus. Mit diesem Orden war der persönliche Adel verbunden.

Die nächste Expedition nach Ostafrika führte ihn in den Jahren 1857/58 wieder an das Westufer des Roten Meeres bis an die somalische Küste. Sie wurde vom Erzherzog Ferdinand Max von Österreich finanziert. Der Schluß der Reise war wieder von tropischen Fieberanfällen begleitet. Außerdem war er durch einen gezielten Speerwurf eines Afrikaners am Hals getroffen und schwer verwundet worden. Heuglin hatte bei dieser Reise mehr als 4000 Meilen zurückgelegt. Meist waren es Fußmärsche durch unwegsames Gelände oder Ritte auf Kamelen bei glühender Hitze oder Fahrten mit einfachen Barken über wilde Flüsse. Die Verpflegung war oft ungenügend, die Ausrüstung bescheiden.

Heuglin hatte bei dieser Reise erkennen müssen, daß nicht wissenschaftlicher Tatendrang allein das Motiv für die Finanzierung der Reise war, sondern auch politische Interessen im Spiel waren. Die K.u.K. Monarchie in Österreich suchte nach einer geeigneten Insel im Roten Meer, die man nach dem Vorbild anderer Kolonialmächte zur Gefangeneninsel machen könnte. So war ein Teil der Reise unter größter Geheimhaltung organisiert worden und es war Heuglin untersagt worden, diesen Teil der Reise in seinem Reisebericht zu erwähnen.

Heuglin fuhr über Kairo zurück nach Wien, wo er um die Entlassung aus dem diplomatischen Dienst nachsuchte. Er kehrte schließlich zurück nach Stuttgart, nicht ohne eine große Anzahl von Tierpräparaten, Münzen und Antiquitäten mitzubringen. Als Dank wurde er zum württembergischen Hofrat ernannt. Die Jahre 1859 und 1860 verbrachte Heuglin vorwiegend in Stuttgart. Er ordnete seine Aufzeichnungen und bereitete sie zum Druck vor.

Im folgenden Jahr wurde ihm erneut die Leitung einer groß angelegten Expedition in den Osten Afrikas angeboten. Ziel der Expedition war es zunächst, den seit Jahren verschollenen Afrikaforscher Eduard Vogel im Gebiet zwischen dem Nil und dem Tschad-See zu suchen. Mehrere Expeditionen in dieses von afrikanischen Sultanen beherrschten Gebietes waren blutig gescheitert. Die beträchtliche Summe von 12.000 Talern wurde zur Ausrüstung der Suchexpedition gesammelt und ein Expeditionskomitee gegründet. Heuglin wurde begleitet von angesehenen Wissenschaftlern, die mit ihm gemeinsam den wissenschaftlichen Zweck der Reise, nämlich die Erforschung eines bisher noch nicht von Europäern bereisten Gebietes leisten sollten. Die Dauer der Reise war auf drei bis vier Jahre angelegt.

Zunächst verlief die Reise wie geplant. Über den Nil gelangte man nach Chartum und von dort in das Äthiopische Hochland. Hier kam es zu Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedern der Expedition. Heuglin hatte aus sicherer Quelle erfahren, daß der gesuchte Eduard Vogel ermordet worden war. Er fürchtete für sich und seine Expedition ein ähnliches Schicksal und zog es vor, in sicheren Gebieten seine Forschungen auszuführen. Ein anderer Teil der Expedition wollte in das gefährliche Gebiet vordringen. Man trennte sich einvernehmlich. Heuglin und seine Mannschaft blieben in Äthiopien, die Übrigen versuchten, allerdings vergeblich, den Tschad-See zu erreichen.

In Deutschland wurde dieses Vorgehen von einem Teil der Presse scharf kritisiert, hatte man doch das Geld für die Expedition mit bestimmten Zielen verbunden. Heuglin wurde vorgeworfen, das Expeditionsbudget veruntreut und für seine eigenen Forschungszwecke verwendet zu haben. Offiziell wurde ihm die Leitung der Expedition entzogen. Viele Wissenschaftlichen, allen voran Alfred Brehm verteidigten Heuglins Handlungsweise in deutlicher Form.

Unterdessen ging die Expedition in Ostafrika weiter. Auf Vermittlung des schwäbischen Missionars Flad, der in Äthiopien eine Missionsstation aufgebaut hatte, traf Heuglin mit dem Äthiopischen Negus Theodor II zusammen, der als erster Herrscher ein geschlossenes Reich in Äthiopien gegründet hatte. Heuglin schildert dieses für ihn eindrucksvolle Ereignis in seiner Reisebeschreibung „Reise nach Abessinien, den Galaländern, Ostsudan und Chartum in den Jahren 1861 und 1862“, dessen Vorwort Alfred Brehm verfasste.

Zurück in Chartum lernte Heuglin 1862 drei reiche niederländische Frauen kennen, welche die westlichen Zuflüsse des Nils, den Gazellenfluß und dessen Oberlauf in westlicher Richtung bereisen wollten. Mit sechs Schiffen und vielen hundert Dienern sowie 400 Trägerlasten Gepäck machte man sich Anfang des Jahres 1863 auf die Reise durch ein mehrheitlich sumpfiges Gebiet. Fast die gesamt Expeditionsmannschaft erkrankte am Fieber. Der langjährige Reisegefährte Heuglins, Dr. Steudner, und eine der holländischen Damen samt ihren Kammerzofen erlagen der Krankheit. Heuglin selbst erkrankte ebenfalls und war nicht mehr in der Lage, bei Sonnenschein zu reisen. Mit Einsetzen der Regenzeit mußte die Expedition abgebrochen werden. Nach mühsamen und strapazenreichen Wochen kehrte man Anfang 1864 nach Chartum zurück. Die wissenschaftliche Ausbeute dieser Reise hielt sich wegen der lang anhaltenden Krankheit in Grenzen. Dennoch entstanden eine wichtige kartografische Arbeit über die westlichen Zuflüsse des oberen Nils sowie eine große Zahl von Vogelstudien.

Heuglins Berichte über diese „Reise in das Gebiet des Weißen Nil und seiner westlichen Zuflüsse in den Jahren 1862 bis 1864“ und „Die Tinne’sche Expedition im westlichen Nil-Quellgebiet 1863 und 1864“ gleichen aber mehr einem Abenteuerroman, denn einer wissenschaftlichen Abhandlung. Hier kann man viel über räuberische Händler und Stammesfürsten und den Sklavenhandel sowie die Gefahren einer Reise in das unbekannte Afrika erfahren.

Auf der Rückreise nach Europa lernte Heuglin in einer Kairoer Kneipe beim Bier den schwäbischen Erfinder Max Eyth aus Kirchheim/Teck kennen, der in Ägypten Versuche mit einem riesigen Dampfpflug leitete. Zurück in Stuttgart wurde Heuglin vom württembergischen König empfangen. Er überbrachte eine Reihe von völkerkundlichen Geräten, Waffen und Kunstgegenständen, die im Lustschloss in der Wilhelma ausgestellt wurden.

Heuglin blieb nun einige Zeit in Stuttgart. Hier entstand nun sein wissenschaftliches Hauptwerk, die „Ornithologie Nordost-Afrikas“, ein zweibändiges großformatiges Werk, das bis heute seine Bedeutung nicht verloren hat. Auf vielen Tafeln wurde die Vogelwelt Nordost Afrikas systematisch beschrieben.

In eine ganz andere Richtung ging Heuglins nächste Reise. Auf Einladung des Grafen Carl von Waldburg-Zeil-Trauchburg , eines wissenschaftlich gebildeten Offiziers, beteiligte er sich im Sommer des Jahres 1870 an einer Expedition zur Inselgruppe um Spitzbergen. Hier wurden erste Karten von diesem Teil des Nordpolarmeeeres gezeichnet, Tiere, Steine und Pflanzen gesammelt. Mit reicher wissenschaftlicher Ausbeute kehrte man nach Deutschland zurück. Hier erfuhr man vom Ausbruch des deutsch - französischen Krieges. Schon im folgenden Jahr ging die Reise erneut in die nordischen Meere. Mit einem eigens dafür gebauten hölzernen Schraubendampfer wurde die Nordmeerküste vor Sibirien bereist und vermessen.

Nach seiner Rückkehr wurde ihm neben anderen Auszeichnungen die Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen verliehen.
Noch zweimal, im Frühjahr 1875 und im gleichen Zeitraum des Jahres 1876 konnte Heuglin in Afrika sein. Zunächst reiste er mit dem Verleger Harald Viehweg aus Braunschweig ins Äthiopische Hochland. Er konnte einige Forschungsfragen beantworten und das Verhalten vieler Tiere studieren. Neue Karten entstanden und neue Bereiche des Landes wurden „entdeckt“.

Tragisch endete die letzte Fahrt nach Ägypten. Heuglin verhandelte wegen einer Anstellung als Wissenschaftler am dortigen Hof. Man wollte ihn vermutlich als Kenner Äthiopiens für einen anstehenden militärischen Feldzug gegen den Äthiopischen Negus gewinnen. Heuglin war aber nur bereit, einen wissenschaftlichen Dienst antreten und fuhr unverrichteter Dinge zurück nach Stuttgart. Am 26. Mai wurde seine Ankunft gemeldet. Am 5. November 1876 starb er in Stuttgart an den Folgen einer Lungenentzündung. Er wurde auf dem Pragfriedhof begraben.

Drei Jahre nach seinem Tod wurde auf dem Pragfriedhof von Freunden und Verehrern ein Denkmal aufgestellt. Es handelt sich dabei um einen zwei Meter hohen Block aus rötlichem Tonschiefer, ein eiszeitlicher Findling aus Bad Waldsee in Oberschwaben. Er ist versehen mit einer Bronzetafel, die Heuglins Brustbild in Lebensgröße zeigt. Die Tafel wurde von Prof. Kopf aus Rom unentgeltlich geschaffen. Die Pflege des Grabes hat die Stadt Stuttgart übernommen. Das Denkmal ist heute noch auf dem Pragfriedhof zu finden. 

@ Dr. Hoffmann

 
 

Ausdruck: 14.12.18 © THS - Theodor-Heuglin-Schule, Leiterweg 70, 71254 Ditzingen
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